23.08.2017
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CD-Kaserne erhält Zuschlag für Modellprojekt

300.000 Euro Bundesmittel für die Entwicklung eines neuen Präventionsansatzes

Ein neuer Präventionsansatz der kommunalen CD-Kaserne gGmbH in Celle wurde 2016 als Modellprojekt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ erfolgreich ausgewählt.  Mit der Auswahl sind Fördergelder von bis zu 300 Tsd. Euro bis 2019 für die Entwicklung, Umsetzung und Verbreitung des Ansatzes verbunden.

Gemeinsam mit der Stadtverwaltung, dem Landkreis und dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis wird die CD-Kaserne einen systemisch-interkulturellen Präventionsansatz für Kindergärten entwickeln, umsetzen und veröffentlichen. Systemische Ansätze sind seit vielen Jahren in Deutschland Standard in Bereichen der Pädagogik und der Wirtschaft. Systemisch meint hierbei, dass man nie von einzelnen Dingen bei einem Problem ausgeht, sondern immer auch die Umgebung und beteiligte Akteure in die Lösung mit einbezieht.

Für das Modellprojekt gründet die CD-Kaserne das „Zentrum für systemisch- interkulturelle Prävention“. Von hier aus wird das Projekt „SIP - Systemisch-interkultureller Präventionsansatz“ gesteuert und es werden im weiteren Verlauf Fortbildungsangebote für Pädagogische Fachkräfte initiiert, Tagungen organisiert und Zertifizierungen für Institutionen angeboten.

Als das Bundesministerium Anfang 2016 Modellprojekte suchte, schrieben Kai Thomsen und Gerd Janke (beide CD-Kaserne) kurzerhand in ihrem Urlaub das Modell eines neuen systemischen Konzeptes. Hierbei flossen vor allem ihre langjährigen Erfahrungen als Systemiker, systemische Organisationsberater, Coaches und Pädagogen mit ein. Das Konzept „Systemisch-interkultureller Präventionsansatz“ (SIP) überzeugte die Fachinstanzen und wurde als eines von zehn Projekten bundesweit ausgewählt. „Eigentlich begann es mit einer Unzufriedenheit“, erinnern sich die beiden Gründer des Zentrums für systemisch-interkulturelle Prävention. „Wir nehmen seit Jahren unausgewogene und nicht übergreifende Konzepte im Bereich der Integrationsarbeit wahr. Als dann noch die Herausforderung für Deutschland mit den zahlreichen Flüchtlingsfamilien hinzukam und die sich daraus entfachende teilweise menschenfeindliche Diskussion darüber, dachten wir, es ist Zeit, dass neue Präventions- und Integrationsstrategien entwickelt werden.“

Das Projekt gliedert sich in drei Arbeitsphasen: Im ersten Jahr wird im Rahmen von verschiedenen Arbeitstagungen, Untersuchungen und Veranstaltungen der SIP-Ansatz fertiggestaltet. Im zweiten Jahr wird der Ansatz im Modellgebiet Celle und Umgebung in Kindergärten evaluiert. Im dritten Jahr wird er über eine Buchveröffentlichung verbreitet.

Neben Stadt Celle, Landkreis Celle und dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis als große Kindergartenträger, arbeiten Migrantenorganisationen, Systemische Institute, Systemische Dachverbände, Fachexperte_innen, Erzieher_innen, Kita-Leitungen und Elternvertreter_innen mit an dem Konzept.

„Prävention hat sich in der Stadt Celle seit vielen Jahren als erfolgreiches Instrument bewährt.“, betont Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende. Die Stadt Celle verfügt bereits über einen großen Erfahrungsreichtum im Bereich der Demokratie-Bildung in den unterschiedlichsten Altersgruppen und unter Teilnahme verschiedener Vereine, Verbände, Schulen und Institutionen. Das Besondere an dem Modellprojekt SIP ist der frühe Ansatz im Vorschulalter und ist gerade deshalb an dieser Stelle so sinnvoll, weil den Kindertageseinrichtungen in der Integration zugewanderter Familien eine Schlüsselrolle beigemessen wird. Die systemische Sichtweise trägt wesentlich dazu bei, Kinder mit ihrem gesamten Bezugssystem Familie und Kultur zu integrieren. „Wir freuen uns über das Engagement unserer CD-Kaserne und die Förderung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Wir sehen hier eine große Chance in der lokalen Vernetzung“, hebt Oberbürgermeister Mende hervor.

Landrat Klaus Wiswe sieht in der Aufnahme des Projekts in das Bundesprogramm eine Bestätigung für die gute Arbeit, die in der CD-Kaserne geleistet wird: „Zu der Entscheidung des Bundesfamilienministeriums, dieses Projekt finanziell zu unterstützen, gratuliere ich dem Projektteam um Kai Thomsen und Gerd Janke. Auch die Aus- und Fortbildung der zahlreichen Akteure in unseren Sozialsystemen ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer gelungenen Integration der Menschen, die in unserem Land Zuflucht suchen.“

Auch der erste stellvertretende Superintendent des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Celle sieht in dem Projekt gute Chancen für die Kindergartenentwicklung: „Wir tragen als evangelische Einrichtungen gerne unsere Erfahrungen in dieses wegweisende Projekt ein und sind uns schon jetzt sicher, dass wir mit einer Reihe von neuen Erkenntnissen unsere künftige Arbeit befruchten können.   Dass Landkreis, Stadt und Kirche hier zusammenarbeiten und gemeinsam  vorankommen wollen, freut uns sehr. Es ist ja auch eine Einsicht systemischen Betrachtung, dass Bildungsanbieter sich vernetzen müssen.“

Kai Thomsen und Gerd Janke denken jedoch bei „SIP“ weiter als nur an den Kindergartenbereich: „Wir gehen davon aus, dass aus der Arbeit nicht nur ein Impuls in die bundesweite Kindergartenlandschaft gesandt wird, sondern auch Einflüsse auf andere pädagogische Bereiche wie zum Beispiel Jugendarbeit, Mädchenarbeit oder Arbeit mit Geflüchteten zu spüren sind.“

Die Resonanzen auf den SIP-Ansatz waren deutschlandweit sehr groß, und so werden führende Expertinnen und Experten aus den Bereichen Integration, Pädagogik und Systemik aus ganz Deutschland zur ersten SIP-Arbeitstagung im Dezember in Hermannsburg erwartet.

Parallel führt das SIP-Team derzeit Interviews in Kindergärten mit Eltern und Erzieherinnen und Erziehern durch, um ein aktuelles Bild vom Modellgebiet zu erhalten. 

Kontaktadresse:

CD-Kaserne gGmbH
Zentrum für systemisch-interkulturelle Prävention
Modellprojekt im Rahmen „Demokratie Leben!“
Hannoversche Str. 30 b

29221 Celle
Tel.: 05141-97729-0

 

Ansprechpartner_innen in der CD-Kaserne:
Kai Thomsen, Projektleiter;
kai.thomsen(at)sip-zentrum.de
Gerd Janke, Projektreferent;
gerd.janke(at)sip-zentrum.de
Ilona Janke, Pädagogische Koordination;
ilona.janke(at)sip-zentrum.de
Stefanie Fritzsche, Organisation & Öffentlichkeitsarbeit;
stefanie.fritzsche(at)sip-zentrum.de